Angst - gut das wir sie haben!?
Was ist überhaupt Angst?
Angst zeigt sich in folgenden körperlichen Symptomen:
Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillenerweiterung, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher
Erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit
Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
Flachere und schnellere Atmung
Energiebereitstellung in Muskeln
Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl, Blasen-, Darm- und Magentätigkeit werden während des Zustands der Angst gehemmt.
Diese Symptome sind normale psycho-/physiologische Reaktionen, die bei Gefahr die körperliche oder seelische Unversehrtheit, im Extremfall also das Überleben sichern sollen. Sie bereiten uns auf Kampf oder Flucht vor. Neben diesen Reaktionen hat das Zeigen von Angst gegenüber unseren wichtigen Bezugspersonen (z.B. Eltern, Geschwister etc.) den sozialen Sinn, um Schutz zu bitten.
Diese Angstreaktion ist somit als sinnvolles Stück unserer biologischen Ausrüstung einzustufen. Wer keine Furcht vor Gefahren besitzt und ihre Wiederholung nicht vermeidet, hat geringere Überlebenschancen. Angst hat als Vermeidungsreaktion oder als Erwartung von unangenehmen, beeinträchtigen Ereignissen durchaus eine bedeutende und sinnvolle Warnfunktion.
Die Angstreaktionen klingen nach Ende der bedrohlichen Situation relativ schnell wieder ab.
Wann ist Angst eine Störung mit Krankheitswert?
Wenn massive Angstreaktionen bei gleichzeitigem Fehlen akuter extremer Gefahren oder Bedrohungen auftreten, spricht man von Angst- oder Panikstörungen. Solche Störungen sind sehr unterschiedlich in Ihrer Ausprägung und Erscheinungsform. Allesamt stören sie jedoch das normale und unbeschwerte Leben. Die Übergänge von normaler Reaktion zur pathologischen (krankhaften) Angst sind fließend, und vom subjektiven Empfinden des Individuums abhängig.
Im ICD10 Kapitel V (Internationale Klassifikation der Krankheiten) heißen diese Krankheitsbilder dann beispielsweise:
F40.- Phobische Störungen
F40.0 Agoraphobie
F40.1 Soziale Phobien
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien
F41.- Andere Angststörungen
F41.0 Panikstörungen
F41.1 Generalisierte Angststörungen
F41.8 Sonstige spezifische Angststörungen
Oder es gibt Begriffe wie: Soziale Neurose, Antropophobie, Akrophobie, Klaustrophobie, Zoophobie, Panikattacke, Angstneurose, Angsthysterie usw.
Angst ist eines der häufigsten psychopathologischen Symptome. In der Allgemeinbevölkerung gehören Angst- und Panikstörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Es ist davon auszugehen, daß etwa 15% aller Menschen mindestens einmal in Ihrem Leben an einer Angststörung erkranken.
Die meisten Angstsyndrome treten bei Frauen wesentlich häufiger auf als bei Männern, bezüglich sozialer Faktoren (z.B. Bildung, Beruf, Wohnort) zeigen sich jedoch nur geringfügige Unterschiede.
Quelle: Möller, Laux, Deister "Psychiatrie und Psychotherapie"
Wie entwickelt sich pathologische Angst?
In den folgenden Erklärungsversuchen beschränke ich mich auf die Entstehung von Ängsten, die im biographischen, lerntheoretischen und psychodynamischen Geschehen gesehen werden können. Organische wie auch nichtorganische Störungen, die häufig Angst als relevantes Symptom aufweisen (Angstsyndrom bei organischen Erkrankungen sowie Angstsyndrom bei anderen psychiatrischen Erkrankungen - z.B. Depression, Psychose) werden in diesem Abschnitt nicht betrachtet. Bei diesen Störungen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. In meinen Erklärungen geht es also um Ängste, die ohne Drogen, Medikamente, Alkohol oder sonstige Erkrankungen, durch lebensgeschichtliche Ereignisse entstanden sind.
Angst tritt immer dort auf, wo wir uns in einer Situation befinden, der wir nicht oder noch nicht gewachsen sind. Jede persönliche Entwicklung, jeder Reifungsschritt ist mit Angst verbunden. Alles Neue, Unbekannte, zum ersten Mal erlebte enthält, neben dem Reiz des Neuen, der Lust am Abenteuer und der Freude am Risiko, auch Angst. Da wir in unserem Leben immer wieder Neues, Unvertrautes und noch nicht Erlebtes erfahren, begleitet uns die Angst solange wir uns weiterentwickeln. Das ist ein lebenslanger Prozess, den wir unter normalen Bedingungen mehr oder weniger gut meistern.
Das Annehmen und das Meistern der Angst bedeutet also einen Entwicklungsschritt und läßt uns ein Stück reifen.
Neben diesen Ängsten gibt es eine ganze Reihe individueller Ängste, die nicht im vorgenannten Sinne typisch für bestimmte Grenzsituationen sind und die wir deshalb bei anderen oft nicht verstehen können, weil wir sie bei uns selbst nicht kennen. So kann bei dem einen Einsamkeit schwere Angst auslösen, bei einem anderen der Gang über eine Brücke, bei dem nächsten sind Menschenansammlungen Angst auslösend und wiederum andere entwickeln Angst vor ungefährlichen und harmlosen Tieren. Es können so viele Ängste entstehen wie es Menschen gibt. - Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen in Ihrem Auto und während Sie so fahren, explodiert irgendetwas in Ihrer Nähe, was auch immer. Sie bleiben unverletzt, haben aber im Anschluß an dieses Ereignis Angst davor, in ein Auto einzusteigen. Was ist passiert? Sie haben die Angst vor einer Explosion mit dem Fahren eines Autos verbunden. - Ein anderes Beispiel: Sie stehen in einer Telefonzelle, und gerade als Sie telefonieren fällt ein Ast mit lautem Getöse auf diese Zelle. Ihren Schreck über den lauten Knall verknüpfen Sie wiederum mit dem Aufenthalt in einer Telefonzelle, obwohl deren Gehäuse Sie ja sogar vor Schlimmerem bewahrt hat. Ab sofort fürchten Sie sich vor dem Aufenthalt in einer Telefonzelle. Und weil wir so wunderbar generalisieren können, ist es uns auch egal, ob nun ein Baum in der Nähe ist oder nicht. Mit der Zeit vergessen wir möglicherweise den Auslöser unserer Angst, nicht aber die Angst selber. Im Gegenteil, unser Unterbewusstsein will uns doch in Zukunft vor solchen "Gefahren" schützen und warnt uns durch die Angst vor weiteren Ereignissen solcher Art. Im Beispiel der Telefonzelle vor engen Räumen. Im Beispiel des Autos vor sämtlichen Verkehrsmitteln. Sie sehen, an eine Angststörung kann man schneller kommen als man sich das für gewöhnlich vorzustellen vermag.
Gelernt ist gelernt - oder?
Wie Sie im vorherigen Absatz erfahren haben, kann ein Mensch sehr einfach und auch schnell lernen. Wenn Sie auf eine heiße Herdplatte fassen lernen Sie in der Regel mit einem einzigen Versuch, daß es in Zukunft besser ist, keine heißen Herdplatten anzufassen. Sie haben diese Erfahrung generalisiert, und das ist auch gut so. Andere Dinge haben Sie durch viele Wiederholungen gelernt. Zum Beispiel das Stehen und Laufen oder das Schreiben und Lesen.... Alles Dinge, so wie ich meine, die nützlich sind. - Andere Fähigkeiten die wir erlernt haben können weniger nützlich sein. Zum Teil können diese Fähigkeiten unser Leben sogar schwer belasten und uns daran hindern, das Leben so zu leben wie wir es uns wünschen. Prüfungsangst, Angst vor einer Gruppe zu sprechen, Angst vor dem Fliegen ... - Wie weiter ober schon genannt sind wir in der Lage, eine ganze Menge an Ängsten zu entwickeln (lernen) die uns daran hindern, glücklich und zufrieden zu sein. Das alles sind Erfahrungen aus der Vergangenheit !
Das Schöne an der Vergangenheit ist, daß sie vorbei ist. Das Schöne an der Zukunft ist, daß wir nicht mehr so weitermachen müssen wie zuvor. Was wir gelernt haben können wir es auch wieder verlernen, um dann ein anderes Verhalten neu zu erlernen. So weit so gut, doch es kommt noch besser. Denn manchmal können wir ein neues Verhalten schneller lernen als wir uns das vorstellen können.
Mittlerweile gibt es eine Reihe von Verfahren die sehr schnell den gewünschten Erfolg bringen können. Es ist nicht selten daß eine lang bestehende Phobie in nur einer einzigen Sitzung auf ein erträgliches Maß an Angst herabgesetzt werden kann. Auch hier sind die Erfolge so unterschiedlich wie die Menschen. Manches was einfach aussieht entpuppt sich als kompliziert, und auf der anderen Seite des Spektrums zeigt sich ein hartnäckiges Problem als leicht zu lösen. Aus meiner Sicht haben diejenigen Menschen die größte Chance auf eine rasche Lösung, die offen sind neue Wege zu gehen.
